Gegen den Wind einmal um die ganze Welt segeln
Februar 2012 / Die Glocke
Zum 35-jährigen Bestehen, das der Warendorfer Wassersportverein in diesem Jahr feiert, hatten sich die Verantwortlichen etwas Besonderes einfallen lassen: Sie luden Deutschlands ersten Einhand-Weltumsegler zu einem Vortrag ein – und der bekannte Segler sagte zu.
Am Freitagabend berichtete der mittlerweile 72-Jährige über seine letzte große Alleinfahrt, die ihn in 343 Tagen um die Welt geführt hatte. Der Titel seines 90-minütigen Lichtbildervortrags lautete „Allein gegen den Wind“.
Und Wilfried Erdmann ist tatsächlich gegen den Wind um die Erde gesegelt. Mit seinem nur 10,60 Meter langen Boot, das über keinen Motor verfügte, machte er sich im Jahr 2000 von Cuxhaven aus auf den langen, beschwerlichen und oft auch gefährlichen Weg. Als fünftem Menschen überhaupt gelang es dem damals 60-Jährigen, die Erde auf der südlichen Halbkugel gegen die vorwiegend herrschende Windrichtung zu umrunden. „Das bedeutet, dass man andauernd Kreuzkurse fahren muss – und das ist eine ziemlich zähe Angelegenheit“, erläuterte der Segel- Profi. „Je nach Windstärke habe ich manchmal nur zehn bis 20 Seemeilen am Tag zurücklegen können und während der Stürme bin ich auch schon mal 100 Seemeilen zurückgetrieben worden.“
Den rund 100 Zuschauern wurde beim Blick auf die Fahrtroute sehr schnell deutlich, wie anstrengend das ganze Unternehmen gewesen sein muss, denn der eingezeichnete Kurs auf der Weltkarte gleicht einem wilden Zick- Zack. Erdmanns Weg führte vorbei an Kap Horn, er passierte Neuseeland und Australien auf der südlichen Seite und nahm dann Kurs auf das Kap der guten Hoffnung. Was sich in der Aufzählung schnell liest, ist in Wirklichkeit eine monatelange einsame Reise durch die Weiten der Meere. Hauptproblem bei einer so langen Nonstop-Fahrt ist der Schlaf. „Richtig lange schlafen kann man auf See nicht, denn ich musste in regelmäßigen Abständen Ausguck halten, die Segelstellung korrigieren und auch nachts stets das Wetter beobachten“, berichtete Erdmann. „Viele Tage habe ich auf dem Boden kauernd nur gedöst.“
In eindrucksvollen Fotos hat der Weltumsegler neben riesigen Wellen und Stürmen auch den kargen Bordalltag festgehalten. Besonders spannend war seine Schilderung eines gigantischen Sturms auf dem Weg nach Afrika. Da blieb Erdmann nichts anderes übrig, als sein Schiff sturmklar zu machen und sich für zwei Tage in der Kajüte einzuschließen.
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| Den Weltumsegler Wilfried Erdmann hatte jetzt der Warendorfer Wassersportverein für einen Vortrag zu Gast. Unser Bild zeigt (v. l.) Rudi Temme, Michael Radike, Wilfried Erdmann, Ralf Reckersdrees, Verena Mathmann und Jan Müller. |






